Eine Märchenwanderung

Füssen, 21. Oktober 2018 | 10:50 Uhr

Es ist etwas frisch, aber wir sind ziemlich dick eingepackt. Was sich aber später als etwas umständlich herausstellen soll, weil man zwischendurch wieder ein paar Lagen auszieht, die man später wieder anziehen wird, da sich der Wind auf triefendem Schweiß ziemlich kühl anfühlt. Zum Glück haben wir aber ein Wechselshirt dabei. Am Parkplatz an der Tegelbergstation in Füssen werfen wir 4 Euro für den ganzen Tag ein. Von dort aus weist ein Schild in Richtung Rohrkopfhütte. Der Aufstieg dorthin dauert ca. 1 ½ Stunden auf Asphalt, Wiese und durch den Wald. Auf dem Weg aufwärts kann man schon das märchenhafte Schloss Neuschwanstein von Weitem erkennen.

Auf der Rohrkopfhütte angekommen auf ca. 1.360 m Höhe machen wir Rast, sitzen gemütlich auf der Terrasse und essen Wurstsalat. Sehr zu empfehlen! Danach geht es weiter zum Tegelberg hinauf, denn wer rastet, der rostet, hat meine Oma immer gesagt. Wieder 1 ½ Stunden zunächst durch Wald, dann offenes Gelände. Wir folgen einfach den Schildern. Zwischendurch bleiben wir stehen, um die Aussicht auf das schöne Ostallgäu zu genießen. Wir sehen die Stadt Füssen und den Forggensee, der jedoch in diesem Jahr etwas leerer erscheint. Liegt wohl am Bombensommer 2018.

Über einen steilen Pfad, sich an den Oberschenkel stützend und ständig „mein lieber Scholli“ stöhnend, erreichen wir das Tegelberghaus auf über 1.700 m Höhe. Hier kehren wir wieder ein und beobachten die zutraulichen lustigen schwarzen Vögel mit dem gelben Schnabel, die ständig nach Futter Ausschau halten und sich ziemlich nah ran trauen. Der Abstieg erfolgt auf demselben steilen Pfad nur anstatt den rechten Weg am Ende des Pfades, wählen wir den linken, an der Nordflanke des Tegelbergs entlang. Wir möchten nämlich in Richtung Marienbrücke laufen, die jedoch gesperrt ist. Aber das stört uns nicht, wir wollen ja wandern. Auf der Marienbrücke und drum herum hat man nämlich einen wunderschönen Blick zum Schloss und der Weg dorthin lohnt sich. Ein Schild mit der Aufschrift „Gelbe Wand, Alpinengefahr“ ist für erfahrene Kletterer gedacht. Wir wählen die blaue Markierung.

Der Pfad Richtung Marienbrücke ist an manchen Stellen sehr schmal, an einer Kurve halten wir uns an einem Stahlseil fest, da es unter uns 200 m in den tifen Abgrund geht. Die Wegstücke erfordern Trittsicherheit auf manchmal losem Kies und wir müssen auch schon mal etwas klettern. Aber für diejenigen, die schwindelfrei sind, sollte es kein Problem sein. Wir blicken auf das Alpenvorland, den Alpsee und das beeindruckende Schloss Neuschwanstein, wo König Ludwig II. von Bayern regierte. Den größten Teil des Abstiegs haben wir erreicht, kurz oberhalb der Marienbrücke. Dort gibt es nämlich einen mit Eisenzaun abgegrenzten Bereich, wo man schöne Fotos vom Schloss schießen kann. Die Aussicht ist atemberaubend! Nur schade, dass die Marienbrücke geschlossen ist, das wäre noch der Brüller gewesen. Die Marienbrücke kann man auch von der anderen Seite erreichen, wäre schneller und einfacher, ist aber immer voller Turisten. Von dieser Seite muss man nicht warten, da der Weg dorthin natürlich anstrengender ist. Aber ein echter Wanderer lässt sich davon nicht abschrecken.

Hinter der Brücke kann man eigentlich weiter bergab wandern, aber in unserem Fall geht das leider nicht. Wir wählen einen Trampelpfad nach links, abwärts Richtung Fluss. Dort wo die großen Pfosten im Fluss stehen, überqueren wir diesen, indem wir über die trockenen Steine laufen. Die glitschigen Steine lieber nicht nehmen! Dann kommen wir auf eine Straße, die rechts Richtung Hohenschwangau führt. In Hohenschwangau sieht man schon die vielen Turisten, die alle auf das Schloss wollen. Dabei denke ich mir „um diese Uhrzeit? In 1 ½ Stunden ist es doch dunkel!“ Es war bereits 16:30 Uhr. So lange waren wir schon unterwegs. Zum Glück hatte ich mir gerade neue Wanderschuhe gekauft und die 20 Euro teuren Wandersocken halten ihr Versprechen, keine Blasen zu bekommen. Wieder steil hinab geht es in den Ort hinein. Wir folgen den Schildern Richtung Tegelbergbahn und Pöllatschlucht. Diese Strecke dauert wieder eine Stunde bis wir schließlich am Parkplatz der Tegelbergbahnstation ankommen. Nach 7 Stunden Wanderung beschließen wir beim nächsten Mal vielleicht einfach mit der Bahn hochzufahren und dann zur Marienbrücke zu wandern. Aber trotz Muskelkater sind wir froh, diese Wanderung erlebt zu haben.

 

Für weitere Infos:

ww.tegelbergbahn.de

ww.fuessen.de

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